Zwei -Klassen – Medizin in Deutschland?

GfK-Umfrage: Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland?
Professoren für BWL-Gesundheitsmanagement über Entwicklungen im
Gesundheitssystem

Mosbach, 20. Oktober 2014 – Welche Einschätzungen und Erwartungen haben
die Bürger in der nahen Zukunft zum Gesundheitssystem? Das war Gegenstand
einer repräsentativen GfK-Umfrage des Studiengangs BWL-
Gesundheitsmanagement der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW)
Mosbach. Die Ergebnisse nutzen die Professoren für ihre Lehre, um den
dualen Studierenden die Herausforderungen des Berufsalltags in der
Gesundheitsbranche vor Augen zu führen.
Das prägnanteste Ergebnis der Befragung: 67 Prozent der Teilnehmer gaben
an, dass sie eine Zwei-Klassen-Medizin zwischen privat und gesetzlich
Versicherten befürchten. Bei Haushalten mit drei Kindern oder mehr sind es
sogar 71 Prozent. „Diese Einschätzung ist zwar keinesfalls ein Hinweis auf
die tatsächliche Existenz einer Zwei-Klassen-Medizin“, so Prof. Dr. Tobias
Lutz, der im Studiengang BWL-Gesundheitsmanagement an der DHBW Mosbach
lehrt, „aber bedenklich finde ich, dass diese Zahlen wie auch die anderen
Umfrageergebnisse belegen, dass der Wandel im Gesundheitssystem die
Menschen in allen Lebenssituationen und Versorgungsbereichen
verunsichert.“
So sorgt sich ein Drittel der Bevölkerung um die medizinische Versorgung
im ländlichen Raum, in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sogar mehr
als die Hälfte der Befragten. Knapp 30 Prozent sehen die Pflegeversorgung
nicht gewährleistet. „Dass dieser Wert so hoch ausfällt, hat uns
überrascht. Denn viel weniger Menschen kommen mit dem Bereich Pflege in
Berührung als beispielsweise mit ambulanter oder stationärer Versorgung.
Das zeigt, wie relevant das Thema ist“, so Lutz. Dass die Menschen sich zu
Recht Sorgen um die zukünftige Entwicklung machen, belegen die Zahlen des
Statistischen Bundesamts: In den Jahren von 2001 bis 2011 ist die Zahl der
Pflegebedürftigen von gut 2 Millionen auf rund 2,5 Millionen gestiegen.
Das Amt schätzt, dass es bis 2030 3,4 Millionen Pflegebedürftige in
Deutschland gibt – und dass dann rund 150.000 Pflegekräfte fehlen.

Auch die betriebswirtschaftliche Orientierung im Gesundheitssystem
beschäftigt die Bürger. 43 Prozent befürchten laut Umfrage, dass ihre
Ärzte oder Krankenhäuser unnötige Behandlungen durchführen würden, wenn
sie diese gut abrechnen können. Ein knappes Viertel der Befragten glaubt
zudem, dass der Fortschritt in der Medizintechnik in Zukunft die
finanziellen Mittel des Gesundheitssystems übersteigen werde. Tobias Lutz
und seine Kollegen Prof. Dr. Dr. Frank Elste und Prof. Dr. Björn Peters
kennen die Entwicklung: „Über 300 Milliarden Euro flossen in Deutschland
2012 in Gesundheitsausgaben. Dieser Betrag hat sich in den letzten 20
Jahren fast verdoppelt. Auch der Anteil am Bruttoinlandsprodukt stieg in
dieser Zeit von 9,6 auf 11,3 Prozent“, erklärt Peters.

„Angesichts solcher Zahlen wird klar, warum wir zunehmend stärker
betriebs- und volkswirtschaftliche Faktoren berücksichtigen müssen. Wir
haben unzählige medizinische Therapiemöglichkeiten, müssen sie jedoch im
wirtschaftlich möglichen und medizinisch notwendigen Rahmen einsetzen“, so
Frank Elste. „Gewinnorientierung ist keine falsche Entwicklung.
Ökonomisierung darf aber nicht zu Fehlentwicklungen führen wie
beispielsweise zu ethisch fragwürdigen Entscheidungen angesichts von
Fallpauschalen oder zu schlechterer Betreuung aus Personalmangel.“ Der
duale Studiengang BWL-Gesundheitsmanagement bereitet darum seit 2004
Studierende darauf vor, in der Gesundheitsbranche zu arbeiten. Auf dem
Stundenplan stehen neben klassischen BWL-Kenntnissen Spezialisierungen in
den Bereichen Klinikmanagement, Medizincontrolling und Healthcare
Marketing, aber auch Gesundheitspolitik und Medizinethik.

Gesamtgesellschaftliche Herausforderung
Die Entwicklungen des Gesundheitssystems seien nur zusammen zu meistern,
sind sich die Professoren des Studiengangs BWL-Gesundheitsmanagement
sicher. Deswegen gibt es am Campus Bad Mergentheim zwei
Vertiefungsrichtungen: Im Bereich Gesundheitseinrichtungen verbringen die
dualen Studierenden ihre Praxisphasen in Krankenhäusern oder
Pflegeeinrichtungen, bei Krankenkassen oder Verbänden wie dem Roten Kreuz.
Im Bereich Healthcare Industry bilden Unternehmen aus der Pharma- oder
Medizintechnikbranche die jungen Leute zusammen mit der DHBW Mosbach aus.
Ein Ergebnis der Studie freut Frank Elste besonders: „Die Bürger sind
bereit, auch selbst einen Beitrag zu leisten, um die Versorgung zu
verbessern. Nur 11 Prozent der Befragten würden wegen steigender
Zuzahlungen auf medizinische Leistungen verzichten. Das zeigt, dass nicht
nur die Branche, sondern alle diese Situation als gesamtgesellschaftliche
Herausforderung ansehen.“

Die Befragung wurde von der GfK in Nürnberg unter 2.000 Bundesbürgern ab
14 Jahre im Zeitraum vom 15. August bis 5. September 2014 durchgeführt und
ist repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

* * *

Ansprechpartner für die Medien:

Constanze Steinhauser
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach
Lohrtalweg 10
74821 Mosbach
Tel.: +49 6261 939-441+49 6261 939-441
E-Mail: steinhauser@dhbw-mosbach.de

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