Schlafapnoe erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko

Neue Studien beweisen:
Schlafapnoe erhöht tatsächlich das Herz-Kreislauf-Risiko

Werner Waldmann, Vorsitzender BSD (Schlafapnoe - Bundesverband)

Werner Waldmann, Vorsitzender BSD (Schlafapnoe – Bundesverband)

Werner Waldmann
Schon seit Jahrzehnten weiß oder vermutet man zumindest, dass eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt. Neueste Studien zeigen, dass dies tatsächlich so ist. Außerdem werfen sie Licht auf die Entstehungsmechanismen – und zeigen, dass man mit einer CPAP-Therapie vorbeugen kann.
Wer an einer obstruktiven Schlafapnoe leidet, hat ein etwa fünfmal so hohes Risiko, innerhalb der nächsten sieben Jahre eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln – unabhängig von anderen, übergewichtsbedingten Risikofaktoren wie beispielsweise Diabetes oder einer Fettstoffwechselstörung.
Gilt das für alle Schlafapnoiker oder nur für bestimmte Risikogruppen? Um das herauszufinden, unterteilte man die Probanden der groß angelegten „Sleep Heart Health“-Studie, die seit 1997 den Zusammenhang zwischen schlafbezogenen Atemstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht, in verschiedene Subgruppen. Dabei kamen die Wissenschaftler zu einem überraschenden Ergebnis: Die koronare Herzkrankheit (kurz: KHK – eine arteriosklerotische Verkalkung der Herzkranzgefäße, die zu Angina pectoris-Attacken und Herzinfarkt führen kann) kommt nur bei Schlafapnoe-Patienten in jüngerem und mittlerem Lebensalter gehäuft vor, und offenbar auch nur bei den Herren der Schöpfung. Bei weiblichen und älteren Schlafapnoikern (über 70 Jahren) war das KHK-Risiko in dieser Studie nicht erhöht.
Bildgebende Untersuchungen zeigen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und dem Grad der Arteriosklerose: Bei Apnoe-Patienten sind die Herzkranzgefäße stärker verkalkt, und die arteriosklerotischen Plaques sind von ihrem Volumen her auch größer als bei Schlafgesunden.

Etwa jeder zweite Patient mit KHK leidet gleichzeitig auch an einer schlafbezogenen Atmungsstörung. Und KHK-Patienten mit Schlafapnoe leben gefährlich: Sie sterben besonders häufig an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall – insbesondere, wenn ihr Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) über 30 liegt. Vor allem nächtliche Herzinfarkte gehen häufig mit dem Vorliegen einer Schlafapnoe einher. Das deutet auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen schlafbezogener Atmungsstörung und Infarktentstehung hin.
Wie kommt es zu dieser Häufung von Herz-Kreislauf-Problemen bei Schlafapnoe-Patienten? Schuld daran sind unter anderem die Druckschwankungen im Brustkorb und die Sauerstoffmangelzustände im Gewebe (Hypoxien), die es durch die nächtlichen Atemstillstände immer wieder auftreten. Dadurch steigt der Blutdruck, und die Herzfrequenz verändert sich. Außerdem wird der lebenswichtige Herzmuskel durch die Apnoen nachts mit Sauerstoff unterversorgt.
Aller Wahrscheinlichkeit nach tragen schlafbezogene Atmungsstörungen also zur Entstehung eines Herzinfarkts bei – und nicht nur das: Sie führen auch zu einem ungünstigeren Krankheitsverlauf bei Infarktpatienten. Es gibt Hinweise darauf, dass der Herzmuskel sich bei Schlafapnoikern nach einem Infarkt schlechter erholt. Und vermutlich kommt es bei Schlafapnoe-Patienten, denen wegen koronarer Herzkrankheit ein Stent in ein Herzkranzgefäß eingesetzt werden muss, auch häufiger zu Restenosen: Das bedeutet, dass sich das durch den Stent erweiterte Gefäß erneut verengt.

Für CPAP ist es nie zu spät Mittlerweile gibt es Beweise dafür, dass eine CPAP-Therapie das Herz-Kreislauf-Risiko senkt – und das sogar bei nur leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe: Eine Studie hat zum Beispiel gezeigt, dass sich durch die nächtliche Beatmungstherapie bei Schlafapnoe-Patienten nach Stentimplantation die Gefahr einer erneuten Gefäßverengung verringert. Und nicht nur das: Mit CPAP behandelte Schlafapnoiker mit durchgemachtem Herzinfarkt hatten in einer Untersuchung aus dem Jahr 2013 ein geringeres Risiko für einen erneuten Infarkt als Patienten, die die Therapie ablehnten. Selbst nach einem Infarkt ist es also nicht zu spät, etwas gegen die Schlafapnoe zu tun.
Die Autoren, die in der Fachzeitschrift „Somnologie“ über diese neuen Erkenntnisse berichten, weisen darauf hin, dass die obstruktive Schlafapnoe trotz ihrer hohen Bedeutung für Entstehung und Verlauf einer koronaren Herzkrankheit auch heute leider noch viel zu selten diagnostiziert wird. Da so viele KHK-Patienten an Schlafapnoe leiden, sollten diese nach Meinung der Autoren unbedingt auf das Vorliegen schlafbezogener Atmungsstörungen gescreent werden – beispielsweise mithilfe einfacher Fragebögen wie der Epworth Sleepiness Scale. Darin wird abgefragt, wie stark ein Patient dazu neigt, in Alltagssituationen wie Lesen, Fernsehen oder Warten im Auto an einer roten Ampel einzunicken: So kann man feststellen, ob er unter krankhafter Tagesschläfrigkeit leidet.

Quelle: S. Steiner, M. Arzt: Koronare Herzkrankheit und schlafbezogene Atmungsstörungen. Somnologie 2014, 18:189–193. DOI 10.1007/s11818-014-0676-

Freddy Klahold, Vorsitzender und Mitglied im BSD-Bundsvorstand

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Über Freddy Klahold

1. Vorsitzender der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe/Atemstillstand Iserlohn e.V
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